1. Wie sieht ein üblicher Tagesablauf aus?

Vormittag:
Die Kinder können zwischen 7 und 8 Uhr zur Einrichtung gebracht werden, dann ist gemeinsamer Aufbruch. Alternaive: Die Kinder werden 8.00 zum Bahnhof Ilmenau gebracht, fahren mit einer Erzieherin nach Roda. Die beiden Gruppen (vom Bahnhof und vom Kindergarten) treffen sich im Wald. Dort machen wir einen Morgenkreis, in dem wir alle Kinder begrüßen, die wichtigsten Themen des Tages besprechen, Lieder singen etc. Dann werden wir gemeinsam frühstücken. Etwas 1 Stunde werden wir Angebote machen z.B. naturkundliche Untersuchungen machen, Experimente durchführen, Basteln, Spiele spielen, Musik machen. Abschließend erfolgt eine Abschlussrunde, in der die Erlebnisse und Erfahrungen des Tages besprochen und ein Ausblick auf den Nachmittag und kommenden Tag gegeben wird.

Mittag:
Nach der Ankunft aus dem Wald erfolgt die Vorbereitung auf das Mittagessen (Hände waschen, Tisch decken etc.) in der Einrichtung. Nach dem Mittagessen werden sich die Kinder von ca. 13.00 Uhr bis 14.30 Uhr ausruhen bzw. schlafen.

Nachmittag:
Nach der Mittagsruhe vespern wir zusammen. Anschließend gibt es noch einmal Angebote (basteln, malen, etc.).

2. Was tun bei schlechtem Wetter?

Erfahrungsgemäß stört das die Kinder weniger und es ist eher die Sorge der Eltern.
So werden wir jeden Tag in den Wald gehen und uns an alle Wetterlagen gewöhnen
und ihren Reiz kennen lernen. Wichtig ist dabei natürlich die passende Ausrüstung,
z.B. Regensachen, das Zwiebelprinzip im Winter (vgl. Pkt.3). Wir werden auch darauf
achten, dass die Kinder mehr in Bewegung bleiben. Zudem können wir im Winter an
einer Stelle auch ein Feuer machen und uns daran aufwärmen. Sobald einem Kind
wirklich kalt werden sollte, werden wir den Rückweg antreten.
Lediglich bei extremen Wettersituationen wie Sturm(Gefahr der herabstürzenden Äste),
bittere Kälte (-10/-15 Grad, je nach Wind und Feuchtigkeit) oder Gewitter suchen wir
den Raum unseres Kindergartens auf.

3. Wie sollte mein Kind im Wald bekleidet sein?

Die Kleidung der Kinder sollte der Jahreszeit und der Witterung angepasst sein. In den Wintermonaten ist es wichtig, sich nach dem Zwiebelprinzip zu kleiden, da je nach Temperatur und Bewegungsdrang der Kinder einzelne Kleidungsstücke ausgezogen werden können. Zwiebelprinzip bedeutet auch, dass Lufträume zwischen Kleidung und Körper getragen werden. Diese Funktion erfüllen Funktionswäsche oder Wollhemdchen. In den Herbst- oder Wintermonaten ist es wichtig wind- und wasserdichte Kleidung zu tragen, weil die Wärme durch den Wind wegtransportiert wird.
Das Schuhwerk sollte warm und wasserdicht sein - am Besten dicht hält Gore-Tex. Bei feuchter Witterung sind Matschhosen, Regenjacken, Gummistiefel und ein Regenhut/ Kapuze angebracht. So ein Hut behütet nicht nur, sondern hält auch den Regen vom Gesicht fern. In den Sommermonaten sollten alle Kinder einen Sonnenhut oder Sonnenmütze tragen. In diesen Monaten ist Zeckenzeit. Deshalb ist es besser, dünne lange Hosen und langärmelige dünne Oberteile zu tragen (vgl. Pkt. 6). Festes Schuhwerk ist selbstverständlich für alle Tage im Waldkindergarten.

4. Wo gehen die die Kinder überhaupt auf Toilette?

Jeder der benutzen Waldplätze verfügt über einen vorher bestimmten und räumlich klar definierten „Toilettenplatz“ mit einem Klappspaten und Toilettenpapier. Dieser befindet sich außerhalb des Spielbereiches. Es wird darauf geachtet, dass nach dem Toilettengang die Hände gesäubert werden. Hierfür führen wir stets Wasser und Lavaerde mit. Erfahrungen aus anderen Waldkindergärten zeigen, dass die Kinder nur sehr selten während des Vormittages ein großes Geschäft machen müssen. In der Einrichtung stehen uns dann ab Mittag die normalen Toiletten zur Verfügung.

5. Was sollten die Kinder mitbringen?

Jedes Kind benötigt ein Stück Isomatte zum Frühstücken oder Ausruhen. Am besten ist eine Isomatte mit Noppen geeignet, weil sich darin Luftbläschen befinden die zusätzlich isolierend wirken.
Eine Frühstücksdose mit dem jeweiligen Frühstück und eine Kinderthermosflasche mit Becher bzw. im Sommer eine Wasserflasche sollten in dem kleinen Rucksack nicht fehlen. In den Wintermonaten und an kalten Tagen sollten die Kinder heißen süßen Tee mitbringen oder Apfelsaft mit heißem Wasser, um die Energiereserven damit aufzufrischen.

6. Wie kann mein Kind vor Zecken geschützt werden?

Zum Schutz vor Zecken sollten Kinder im Wald festes Schuhwerk, lange Kleidung und eine Kopfbedeckung tragen. Nach einem Vormittag im Wald werden die Kinder nach Zecken abgesucht und ggf. werden diese von uns entfernt. Wenn Zecken innerhalb von 12 Stunden entfernt werden, ist die Infektionsgefahr mit Borreliose gering. Zudem werden wir die Eltern über die Symptomatik von Borreliose und FSME aufklären, damit sie erste Anzeichen frühzeitig erkennen können.

7. Und was ist mit der Gefahr von Fuchsbandwurm?

Wir liegen nicht in einem Risikogebiet, so dass die Gefahr als gering eingeschätzt werden kann. Bandwurmeier, die sich im Kot von Hunden, Füchsen und Katzen befinden können, setzen sich an Pflanzen fest. Wenn der Mensch diese verzehrt (z.B. Heidelbeeren) kann er sich infizieren. Deshalb dürfen die Kinder keine Beeren und andere Waldfrüchte aus dem Wald verzehren. Außerdem dürfen sie keine toten Tiere anfassen.

8. Gibt es nicht eine hohe Verletzungsgefahr im Wald?

Kinder lernen durch die ständige Bewegung im Wald auf verschiedensten Untergründen das Abfangen, Fallen, Aufrichten und Klettern. Außerdem können sie sich durch diese Erfahrungen besser selbst einschätzen, z.B. beim Klettern auf Bäume. Durch die Übung entsteht eine Stärkung des Gleichgewichtvermögens und der Koordinationsfähigkeit. Dadurch sind die Kinder insgesamt vor Unfällen besser geschützt. Außerdem ist der Waldboden im Gegensatz zu Straßen und Fußböden relativ weich und federt Stürze etwas ab. In Notfällen sind wir in Erster Hilfe geschult und haben sowohl eine Erste-Hilfe-Ausrüstung sowie auch ein Handy dabei.

9. Entwickeln Kinder im Waldkindergarten besondere motorische Fähigkeiten?

Laut WHO sind zwei Drittel aller Kinder körperlich zu wenig aktiv. Das hat bei einem hohen Anteil der Kinder Haltungsschäden, Übergewicht, psychische Störungen und Koordinationsschwierigkeiten zur Folge. Im Wald lernen Kinder - wieder - sich natürlich zu bewegen. Durch das zumeist unebene Gelände müssen sie sich den Gegebenheiten anpassen und trainieren so ihre Grobmotorik. Auch die Feinmotorik wird z.B. durch den Bau von Kastanienwichteln, Mooshäusern, Booten gefördert. (vgl. Pkt.10)

10. Ich habe gehört, dass Kinder in Waldkindergärten nicht genug feinmotorisch gefördert werden?

Die Feinmotorik kann auch während des Aufenthaltes im Wald geschult werden. So nehmen wir regelmäßig Bastelmaterialien in den Wald, um dort zu basteln und zu malen. Außerdem fördert der Umgang mit Naturmaterialien durchaus die Feinmotorik, z.B. durch das Spielen mit feinen Fichtennadeln oder dem Graben von Löchern mit bloßen Fingern oder einfachen sebstgemachten Werkzeugen. Zudem sind wir am Nachmittag mit den Kindern auf dem Kindergartengelände, so dass dort die Kinder auch gezielt in Feinmotorik gefördert werden können. Dies wird aber wieder bevorzugt im Außengelände durchgeführt.
Mit dieser Form des „integrierten Waldkindergartens“ entsprechen wir schon den Empfehlungen, die Dr. Peter Häfner in seiner Studie über die Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern (2002) gibt: „Diese Form eines Kindergartens ist meiner Ansicht auch optimal für den Fall, dass man von beiden hier untersuchten Arten von Kindergärten jeweils das „Beste“ miteinander kombinieren will. Der Waldkindergarten liefert etwa vormittags die Freiräume, die Kinder in diesem Alter für eine natürlich und gesunde Entwicklung benötigen, der Regelkindergarten liefert dann am Nachmittag das erweitere Angebot zum Erwerb kulturgebundener Fähigkeiten und Fertigkeiten (z.B. durch angeleitetes Basteln und Malen, durch gemeinsames Tanzen und Singen) dazu.“

11. Wie gut bereitet der Waldkindergarten mein Kind auf die Schule vor?

Dr. Peter Häfner ist in seiner Doktorarbeit genau dieser Frage nachgegangen. Er resümiert dabei „Fasst man die Ergebnisse meiner eigenen Untersuchung zusammen, so kann klar festgestellt werden, dass gerade die Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, im Hinblick auf diese alarmierenden Befunde der PISA-Studie eine hoffnungsvolle Schülergruppe darstellen. … Sowohl hinsichtlich der Phantasie und Kreativität als auch der Mitarbeit im Unterricht, dem sozialen Verhalten und ihrer Motivation schneiden sie evident besser ab als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus dem Regelkindergarten.“
Hier können Sie mehr Informationen zu dieser Studie finden.
Zudem führen wir mit den Vorschülern gesonderte Aufgaben zur Vorbereitung auf die Schule durch.

12. Werden die Kinder den ganzen Tag nur im Wald "herumspielen"?

Dem freien, ungeleiteten Spiel Wald messen wir eine wichtige Bedeutung bei, da das Kind dadurch Erlebnisse verarbeiten und neue Fähigkeiten einüben kann. Es ist wichtig für das soziale Verhalten und den Ausdruck der eigenen Gefühle. Dadurch dass sie sich dabei Situationen suchen, die sie selbst gestalten, bewältigen und steuern können, wird ihr Selbstbewusstsein, ihre Initiative und ihre Eigenverantwortung gestärkt.
Es gibt jeden Tag vor dem gemeinsamen Frühstück einen Morgenkreis, in denen wir mit den Kindern über ihre Erlebnisse und Befindlichkeiten sprechen und aktuelle Themen bearbeiten (z.B. die uns umgebene Flora und Fauna). Dazu singen wir themenbezogene Lieder und tanzen. So werden wir z.B. im Frühling über diesen sprechen: was macht den Frühling aus, wir sensibilisernen die Kinder für die spannenden Ereignisse dieser Zeit und besprechen wie jeder Einzelne das Wunder der Natur hautnah erlebt und natürlich lassen wir den Wald mit fröhlichen Frühlingslieder erklingen. Zudem machen wir gezielt Bildungsangebote und Projektwochen zu bestimmten Themen wie z.B. zum Brandschutz und zu den christlichen Feiertagen (vgl.Pkt.13 ).

13. Gibt es denn auch Bildungsangebote?

Bildungsangebote haben bei uns einen wichtigen Stellenwert. Die Erzieher werden dabei Spiele, Experimente, geleitete Erkundungen und Aufgaben oder auch Bastel- und Werkangebote vorbereiten und anbieten.
Der Aufenthalte im Wald bietet den zusätzlichen den Vorteil, viele Themen und Inhalte handlungsorientiert und nah an der alltäglichen Realität der Kinder vermitteln zu können, da sich die Kinder mitten in dem „Forschungsgebiet“ aufhalten.
Die Kinder können den Wandel der Jahreszeiten, die Veränderungen in der Natur, das Wetter sowie das Leben von Säugetieren, Vögeln und Insekten in der Natur selbst miterleben, beobachten und erkunden, wodurch sie umfangreiche Sachkenntnisse auf diesen Gebieten erlangen.
Zudem werden wir 2-3 Projekte im Jahr durchführen, die sich über einen längeren Zeitraum (1-4 Wochen) erstrecken und so ein Thema (z.B. Wasser, andere Kulturen) vertieft und ganzheitlich bearbeitet werden kann.

14. Welche Vorteile hat ein Waldkindergarten gegenüber einem Regelkindergarten?

Es gibt zahlreiche Vorteile, von denen wir hier nur einige kurz nennen können. Für ausführlichere Informationen lesen Sie bitte unsere Konzeption.

Raum und Stille
Die Kinder haben Platz zum Kind sein im wahrsten Sinne – keine beengten Räume, in denen die Kinder einer Reizüberflutung ausgesetzt sind. Der Wald bietet Kindern die Möglichkeit, sich nach ihren Bedürfnissen den Raum zu nehmen den sie brauchen (z.B. zum Zurückziehen und alleine sein, oder aber zum Toben und Herumtollen). Ein besonders wichtiger Punkt ist, dass die Kinder im Wald Stille erfahren können. Gerade in unserer hektischen und Reiz überfluteten Gesellschaft ist das ein besonderer Vorteil. Dadurch werden die Kinder ausgeglichener und es entstehen weniger Aggressionen.

Stärkung des Immunsystems
Die Kinder werden seltener krank, weil sie sich nicht in überheizten, überfüllten geschlossenen Räumen aufhalten, in denen Infektionen übertragen werden. Der ständige Aufenthalt an der frischen Luft bei jedem Wetter stärkt das Immunsystem.

Kreativität und Phantasie
Für die Kinder ist es wichtig, selber etwas gestalten zu können. Da es im Wald kein vorgefertigtes Spielzeug gibt, werden sie ermuntert aus den Naturmaterialien auf innovative Weise viele Spielmöglichkeiten zu entwickeln. In Räumen mit vorgefertigten Spielzeug kann dieses Potential nicht entfaltet werden.

Sprachentwicklung
Da es kein vorgefertigtes Spielzeug gibt, müssen die Kinder sich viel mehr absprechen, was sie womit machen wollen und was sie dafür gestalten oder bauen müssen (Beispielsweise ein Schiff, einen Kaufmannsladen oder Strassen). Dadurch wird ihre Sprachkompetenz gefördert.

Schulung der Sinne
Insbesondere für die Ausbildung des Tastsinnes, des Gleichgewichtssinnes und der Bewegungskoordination bestehen im Wald optimale Vorraussetzungen. Das Spielen und Experimentieren mit verschiedenen Materialien und das Ausprobieren vieler Bewegungsmöglichkeiten (wie z.B. Klettern, Überqueren von Hindernissen, unterschiedliche Waldböden…) stärken das Körpergefühl und das Selbstbewusstsein. Im Wald können die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Dadurch wird ihre Grobmotorik optimal gefördert. Eine gut ausgebildete Grobmotorik ist die Vorraussetzung für die Ausbildung der Feinmotorik.

Ökologisches Bewusstsein
Im Waldkindergarten werden wir Bildungsangebote und Projekte zu verschiedenen Themen in und aus der Natur anbieten. (vgl.Pkt.13) Durch den intensiven Aufenthalt im Wald werden die Kinder sich mit der Natur vertraut machen und sich ihr dadurch verbunden fühlen. Der Aufbau einer positiven emotionalen Beziehung zur Natur ist die Grundlage für das Bedürfnis und den Wunsch, die Natur zu erhalten und zu schützen. So werden wir den Kindern dann auch konkrete Möglichkeiten zum Schutz und Erhalt der Natur aufzeigen und vermitteln. Die Kinder können so lernen, Verantwortung für Mensch und Natur zu übernehmen.

15. Wo ist der Ilmenauer Waldkindergarten überhaupt?

Wir haben uns als Standort für das Ferienlager „kids life“ in Roda entschieden, da es mitten im Wald liegt und in der Nähe vielfältige Naturräume (z.B. Wiesen, Hochwald, Bachlauf) zu finden sind. Die Anbindung nach Ilmenau ist dennoch recht gut, da der Zug nach Erfurt in Ilmenau-Roda hält und die Kinder so auch mit der Bahn anreisen können. Zusätzlich wollen wir Fahrgemeinschaften einrichten, um den Autoverkehr möglichst gering zu halten. Hier finden Sie eine Anfahrtsbeschreibung und können einen Blick aus der Luft auf das Objekt werfen.

16. Was kostet ein Platz?

Je nach Anzahl der kindergeldberechtigten Kinder kostet ein Ganztagsplatz zwischen 120,00 € und 140,00 € und ein Halbtagsplatz zwischen 80,00 € und 100,00€.